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Was ein Terabyte wirklich kostet

Ein Terabyte kostet bei Snowflake rund 23 Dollar im Monat, bei BigQuery rund 20. Dasselbe Terabyte als Datenträger kostet einmalig 12 bis 18 Dollar. Dieser Faktor liest sich wie ein Verkaufsargument und ist keins — jedenfalls nicht in dieser Form. Was dazwischen liegt, ist der eigentliche Artikel.

Daniel Alisch
Co-Founder lavalake · · 4 Min.

Speicher ist der Posten, über den in Warehouse-Rechnungen am wenigsten gestritten wird. Er ist klein gegenüber der Rechenleistung, er wächst langsam, und er steht selten im Weg. Genau deshalb wird er selten nachgerechnet — und genau deshalb ist er ein guter Einstieg in die Frage, wie sich die beiden Betriebsmodelle unterscheiden.

Was die Cloud verlangt

AnbieterPreis je Terabyte und MonatAnmerkung
Snowflake (On-Demand)rund 23 $AWS US East, Stand 2026; je nach Region 20 bis 40 $
BigQuery (aktiv)rund 20 $0,02 $ je GB und Monat, für in 90 Tagen geänderte Tabellen
BigQuery (Langzeit)rund 10 $automatischer Nachlass ab 90 Tagen ohne Änderung

Für 100 Terabyte über fünf Jahre sind das bei Snowflake rund 138.000 Dollar, allein für das Liegen der Daten. Die Zahl ist unstrittig, sie steht in den Preislisten. Strittig ist, wogegen man sie hält.

Was das Medium kostet

Eine neue Enterprise-SATA-Platte liegt 2026 bei 12 bis 18 Dollar je Terabyte — einmalig, nicht monatlich. Bei fünf Jahren Nutzungsdauer sind das rund 25 Cent je Terabyte und Monat. Der Faktor gegenüber 23 Dollar ist ungefähr hundert.

Dieser Faktor ist richtig gerechnet und trotzdem irreführend. Eine rohe Platte ist kein Speicherdienst.

Was zwischen der Platte und einem brauchbaren Objektspeicher liegt, ist der Teil, den die Rechnung oben unterschlägt:

  • Redundanz. Erasure Coding kostet je nach Auslegung das Anderthalbfache an Rohkapazität, dreifache Replikation das Dreifache.
  • Eine zweite Kopie. Redundanz ist keine Sicherung — sie schützt gegen den Ausfall einer Platte, nicht gegen ein versehentliches DROP.
  • Gehäuse, Netz, Rack, Strom, Kühlung.
  • Menschen. Platten fallen aus, Firmware will aktualisiert werden, Kapazität will geplant sein.

Rechnet man das Anderthalbfache für Erasure Coding und eine vollständige zweite Kopie, kostet ein nutzbares Terabyte an Medien rund 36 bis 54 Dollar einmalig. Über fünf Jahre sind das etwa 60 bis 90 Cent im Monat. Auch mit dem Zehnfachen für Rack, Strom und Betrieb bleibt man unter zehn Dollar — aber der ehrliche Satz lautet: Der Datenträger ist nicht der Kostenpunkt, und wer ihn gegen einen Cloud-Preis stellt, vergleicht eine Schraube mit einem Auto.

Der Zeitpunkt ist ungünstig

Zwischen September 2025 und März 2026 sind die Preise für Enterprise-Festplatten um 46 bis 50 Prozent gestiegen. Der Grund ist die Nachfrage aus dem KI-Ausbau: Vorbestellungen der Hyperscaler haben die Produktion von WD und Seagate bis Ende 2026 gebunden. Wer jetzt Speicher kauft, kauft ihn teuer. Das ist ein Argument gegen den Kaufzeitpunkt, nicht gegen das Modell — die Cloud-Preise haben denselben Einkauf im Rücken.

Der Posten, der nicht in der Speicherzeile steht

Der wichtigere Unterschied steht gar nicht in der Speicherzeile. In einem nach Credits abgerechneten Warehouse treibt die Datenmenge auch die Rechenleistung: Jede Abfrage, die mehr Daten liest, kostet mehr. Die Speicherzeile wächst linear mit dem Volumen, die Credit-Zeile wächst mit Volumen mal Nutzung — und die Credit-Zeile ist die große.

Auf eigener Hardware entfällt diese Kopplung. Mehr Daten brauchen mehr Platz, und Platz kostet einmal. Mehr Tempo braucht mehr Kerne, und Kerne kosten einmal. Was nicht passiert: dass dieselbe Abfrage teurer wird, weil die Tabelle dahinter gewachsen ist.

Ihre Datenmenge steht in keiner Zeile dieser Preisliste. Sie liegt auf Ihrem Speicher.
lavalake, Preisseite

Der dritte Weg: Colocation

Zwischen „alles selbst im Keller“ und „alles in der Cloud“ liegt die Colocation: Sie kaufen die Hardware, jemand anderes stellt Raum, Strom, Kühlung und Anbindung. Für die Kostenrechnung verschiebt das drei Posten.

PostenEigenes RechenzentrumColocationCloud
HardwareSie kaufenSie kaufenim Preis enthalten
Raum und KühlungSie stellenMiete je Höheneinheitim Preis enthalten
StromIhre Rechnungmeist nach Verbrauch abgerechnetim Preis enthalten
BetriebIhre LeuteIhre Leute, oft mit Remote-Händenbeim Anbieter
Datenhoheitvollständigvertraglich, Standort wählbarnach Anbieterrecht

Colocation ist der Weg für Häuser, die die Kontrolle über Hardware und Daten wollen, aber kein eigenes Rechenzentrum bauen. Für die Souveränitätsfrage ist der entscheidende Punkt nicht die Kostenzeile, sondern der Standort und das Recht, dem der Betreiber unterliegt.

Was das für die eigene Rechnung heißt

  1. Speicher allein rechtfertigt keinen Umzug. Bei 10 Terabyte reden wir über rund 2.800 Dollar im Jahr — das trägt keine Migration.
  2. Ab dreistelligen Terabyte wird die Zeile spürbar, und bei Tabellen, die oft gelesen werden, wird die Credit-Zeile lange vorher spürbar.
  3. Rechnen Sie das Medium nicht gegen den Cloud-Preis. Rechnen Sie Medium mal Redundanz mal zwei Kopien, plus Rack, Strom und Menschen.
  4. Der Vergleich, der zählt, ist die ganze Rechnung: Speicher, Rechenleistung, Egress und Lizenz gegen Hardware, Strom, Betrieb und Subskription.

Für den letzten Punkt gibt es auf dieser Seite einen Rechner, in dem jede Annahme offenliegt und sich ändern lässt. Speicher ist dort kein eigener Posten, sondern steckt im Zuschlag auf Hardware und Strom — aus genau dem Grund, der oben steht: Auf eigener Hardware ist er keine eigene Zeile.

Preise je Terabyte aus den veröffentlichten Listen der Anbieter, Stand 2026; Medienpreise aus dem Markt für neue Enterprise-SATA-Laufwerke. Die Aufschläge für Erasure Coding, zweite Kopie und Betrieb sind Annahmen dieses Artikels und keine Messung.

Quellen

Alle Zahlen in diesem Beitrag sind belegt. Wo keine belastbare Quelle vorliegt, steht keine Zahl.

  1. Snowflake-Speicherkosten, Übersicht 2026 (Flexera)
  2. BigQuery-Preise: aktiver und Langzeitspeicher
  3. Preisentwicklung bei Enterprise-Festplatten 2026

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