Kosten
TCO ehrlich rechnen: was ein On-Prem-Warehouse wirklich kostet
Die meisten TCO-Vergleiche für On-Premises sind zu optimistisch. Nicht weil die Hardware falsch gerechnet wird, sondern weil die Menschen fehlen.

Wer ein Cloud-Warehouse gegen ein eigenes vergleicht, stellt meist die Cloud-Rechnung gegen Serverpreise. Das Ergebnis sieht gut aus und hält keiner Prüfung stand. Ein belastbarer Vergleich braucht sechs Posten, und drei davon fehlen üblicherweise.
Die sechs Posten
| Posten | Wie beziffern | Wird oft |
|---|---|---|
| Hardware | Anschaffung ÷ Nutzungsdauer, meist 4 bis 5 Jahre | korrekt gerechnet |
| Software und Support | Subskription pro Cluster oder Knoten | korrekt gerechnet |
| Rechenzentrum | Stellplatz, Strom, Kühlung, Netz | vergessen oder pauschaliert |
| Betrieb | Personalanteil in Vollzeitäquivalenten | vergessen |
| Ausfallreserve | Vorhaltung für Wartung und Defekt | vergessen |
| Migration | Einmalaufwand im ersten Jahr | unterschätzt |
Personal ist der größte einzelne Posten
Ein Cluster betreibt sich nicht. Es braucht Patches, Upgrades, Kapazitätsplanung, Rufbereitschaft und jemanden, der versteht, warum eine Abfrage seit Dienstag langsam ist. Erfahrungsgemäß liegt das bei einem produktiven Warehouse mittlerer Größe bei einem halben bis einem vollen Vollzeitäquivalent – nicht als eigene Stelle, sondern verteilt über ein Team.
Wer diesen Anteil mit einem realistischen Vollkostensatz ansetzt, kommt schnell auf eine fünfstellige Summe pro Jahr. Das ist keine Kleinigkeit, und es ist der Posten, den ein Cloud-Anbieter zu Recht als Vorteil anführt.
Wer Personal aus der On-Prem-Rechnung lässt, vergleicht nicht zwei Optionen, sondern eine Option mit einem Wunsch.
Was on-prem dagegen strukturell günstiger macht
Drei Dinge, die nicht von Verhandlungsgeschick abhängen:
- Abgeschriebene Kapazität. Hardware im vierten Jahr kostet in der Rechnung fast nichts mehr, liefert aber weiter Leistung. In der Cloud gibt es diesen Effekt nicht.
- Kein Egress. Datenübergaben zwischen Systemen und Standorten sind bei eigener Infrastruktur eine Netzwerkfrage, keine Rechnungsposition.
- Entkopplung von Nutzung und Kosten. Ob zehn oder hundert Dashboards laufen, ändert die Rechnung nicht – solange die Kapazität reicht.
Der dritte Punkt ist der eigentliche. Er ist kein Kostenvorteil im engeren Sinne, sondern eine andere Kostenkurve: flach statt steigend. Das ändert, wie eine Organisation mit Daten umgeht.
Eine Rechnung, die man prüfen kann
Ein Beispiel mit offengelegten Annahmen. Die Zahlen sind Annahmen, keine Erhebung – der Zweck ist die Struktur, nicht das Ergebnis.
Annahmen
Cluster: 8 Knoten, 4 Jahre Nutzungsdauer
Hardware: 160.000 EUR Anschaffung
Betriebsanteil: 0,75 Vollzeitäquivalente
Vollkostensatz: 95.000 EUR pro Jahr
Jährliche Kosten on-prem
Hardware-Amortisation 40.000
Software-Subskription 30.000
Rechenzentrum 12.000
Betrieb (0,75 x 95.000) 71.250
Ausfallreserve (10 %) 15.325
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Summe 168.575 EUR
Im ersten Jahr zusaetzlich
Migration (einmalig) 45.000 EURDiese Rechnung lohnt sich gegenüber einem Cloud-Warehouse ab etwa 14.000 Euro Monatsausgaben – und darunter nicht. Das ist die Zahl, die ein ehrlicher Vergleich liefert, und sie ist niedriger als die, die in Verkaufsunterlagen steht.
Wann on-prem nicht die Antwort ist
Aus derselben Rechnung folgt, wo man es lassen sollte:
- Bei geringer Grundlast. Wer unter etwa 8.000 Euro monatlich liegt, zahlt on-prem den Betriebsanteil ohne Gegenwert.
- Bei stark schwankender Last. Ein Verhältnis von Spitze zu Median über zehn spricht für Elastizität, die man nicht vorhalten will.
- Ohne Team. Wenn niemand da ist, der Kubernetes betreibt, ist der Personalposten nicht 0,75 Vollzeitäquivalente, sondern eine Neueinstellung.
- Bei kurzem Horizont. Amortisation über vier Jahre setzt voraus, dass die Architektur vier Jahre steht.
Ich halte diese Abgrenzung für wichtiger als jedes Verkaufsargument. Ein Wechsel, der sich nicht rechnet, wird im zweiten Jahr zurückgedreht, und dann hat man zweimal migriert.
Quellen
Alle Zahlen in diesem Beitrag sind belegt. Wo keine belastbare Quelle vorliegt, steht keine Zahl.